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Bibliothek und Schule, 2002 - 2004

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Lesen und Mediennutzung für den Schulerfolg eines jeden Kindes von entscheidender Bedeutung sind und einer stärkeren gesellschaftlichen Förderung als bisher bedürfen.

Der Bibliotheksentwicklungsplan der Städtischen Bibliotheken Dresden (2002 - 2004) formuliert deshalb Schwerpunkte und Zielstellungen, die dazu geeignet sind, der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Schulen in der Stadt Dresden neue Impulse zu verleihen. Ziel dabei ist es, im Sinne von Chancengleichheit möglichst jedes Kind vor Schuleintritt und über die gesamte Zeit des schulischen Lernens hinweg systematisch an Bücher, Medien und Bibliotheksbenutzung heranzuführen.

Zur besseren Umsetzung der Ziele des Bibliotheksentwicklungsplanes wurde das Projekt Bibliothek und Schule ins Leben gerufen. Das Projektteam - bestehend aus zehn auf dem Gebiet der Kontaktarbeit mit Schulen erfahrenen Mitarbeiterinnen - analysierte zunächst den erreichten Stand der Arbeit und arbeitete Schwachstellen heraus. Das entstandene Material "Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Schulen in der Stadt Dresden" beschäftigt sich ausführlich mit methodischen Hinweisen, beschreibt zu entwickelnde Arbeitshilfen, Flyer und andere Materialien und benennt Erfolgsfaktoren, Ressourcen sowie Finanzierungsgrundlagen der Arbeit.

 

Schwerpunkte im ersten Projektjahr (2002)

1. Kindergärten und Horte:

2. Grundschulen, Mittelschulen, Gymnasien:

Bei der Erfolgskontrolle mittels statistischer Erfassung zeigte sich, dass sich bei den jüngeren Schülern zwischen 6 und 8 Jahren bereits erste Erfolge einstellen. 2002 lag hier die Zahl der angemeldeten Benutzer um 7 % höher als im Jahr 2000, obwohl die Einwohnehrzahl im gleichen Zeitraum um 13% gesunken ist. Handlungsbedarf gibt es bei den Benutzern ab 10 Jahren, deren Zahl weiterhin rückläufig ist.

 

Schwerpunkte im zweiten Projektjahr (2003)

Klassenführungen sind das zentrale Bindeglied zwischen Bibliotheken und Schulen. Mit inhaltlich und methodisch interessanten Klassenführungen haben Bibliotheken die Chance, Schülern die Vorteile der Bibliotheks- und Mediennutzung für alle Formen des Lernens unter Beweis zu stellen.

Dazu müssen Bibliotheken mit neuen Methoden und Konzepten stärkere Anreize zur Inanspruchnahme von Klassenführungen durch Schulen setzen.

2003 entstanden in den Städtischen Bibliotheken Dresden drei neue Arbeitsmittel mit dem Ziel, Klassenführungen für Schüler und Lehrer wieder interessanter zu machen, Schülern stärkere Leseanreize und Impulse für die Mediennutzung zu geben und nachhaltiger zum Bibliotheksbesuch zu motivieren.

1. Bibliotheksmemory

Bibliotheksmemory - Beispiel 1 Bibliotheksmemory - Beispiel 2

Das Bibliotheksmemory ist ein Spiel, das speziell für Vorschul- und Erstleserkinder bis etwa Klasse 3 von einem Team der Städtischen Bibliotheken Dresden entwickelt wurde. Es greift das in diesem Alter ausgeprägte Interesse am Memory Spielen auf und übersetzt es in die Themenbereiche Bibliothek, Bücher und andere Medien.

Die Zielstellung besteht darin, anhand der verwendeten Bildmotive

2. Bibliotheksquiz

Bibliotheksquiz - Beispiel Vorderseite Bibliotheksquiz - Beispiel Rückseite

Das Bibliotheksquiz ist ein lustiges Frage- und Antwortspiel, das für Klassenführungen in der Altersgruppe 4. bis 6./7. Klasse entwickelt wurde. Es besteht aus 55 unterschiedlichen Fragen und soll in unterhaltsamer Form möglichst alle Schüler für die Bibliothek und deren Angebote aufschließen.

Die Fragestellungen sind so gewählt, dass der Spielleiter gemeinsam mit den Schülern Grundwissen der Bibliotheksbenutzung sowie Kenntnisse aus der Welt der Bücher und Medien erarbeiten kann. Durch wechselnden Schwierigkeitsgrad ist das Spiel für Schüler mit unterschiedlichen Vorkenntnissen geeignet.

Auf diese Weise kann Spielvergnügen mit Informationsvermittlung und Motivation zum Bibliotheksbesuch verbunden werden und zu einem positiven und nachhaltigen Erlebnis der Klassenführung beitragen.

3. Kurzfilm "Bibs"

Kurzfilm Bibs - Screenshot 1 Kurzfilm Bibs - Screenshot 2 Kurzfilm Bibs - Screenshot 3

Der Ende 2003 fertig gestellte Video-Kurzfilm "Bibs" stellt eine weitere Neuerung zur qualitativen Aufwertung von Gruppenbesuchen und Klassenführungen dar.

Für die kostengünstige Umsetzung konnte das Medien Design Center (MDC), eine junge Dresdner Agentur gewonnen werden, die zu einer Berufsfachschule gehört, in der Assistenten für Gestaltungstechnik ausgebildet werden.

Der Film geht der Frage nach, warum ist es spannend und interessant, die Bibliothek zu besuchen und was können Kinder dort alles tun. Die Zielstellung für den Einsatz des Films besteht dementsprechend darin, Vorschulkinder und Schüler der Klassen 1 bis 3 auf den bevorstehenden Bibliotheksbesuch vorzubereiten, nicht jedoch Inhalte der Klassenführung schon vorwegzunehmen.

Von den konkreten Interessen zweier Kinder ausgehend wird gezeigt, dass die Bibliothek nicht nur ein Ort mit spannenden Büchern und Medien ist, sondern ein Ort der Phantasie und des Wissenserwerbs.

Der Einsatz des Films ist sowohl in der Schule als Einladung und Motivation zum Bibliotheksbesuch denkbar, als auch vor Ort in den Bibliotheken, um die Kinder auf die Inhalte der Führung einzustimmen.

Verbunden mit dem Film wurde die Figur des "Bibs" entwickelt, die als "Hausherr der Bibliotheken" die Kinder direkt anspricht und zum Bibliotheksbesuch einlädt.

Geplant ist 2004 und für die kommenden Jahre, Bibs als Identifikationsfigur für die Dresdner Städtischen Bibliotheken weiter auszubauen, z. B. als Handpuppe und als Maskottchen auf Werbeträgern.

 

Schwerpunkte im dritten Projektjahr (2004)

1. Methodisches Material für spielerisches Lernen

Die Städtischen Bibliotheken haben ihr Angebot an methodischem Material zur Förderung von spielerischem Lernen erweitert. Dazu wurden drei neue Veranstaltungskisten erarbeitet, die jeder Bibliothek ab sofort nach Terminabsprache zur Verfügung stehen.

Die Instrumentenkiste umfasst ca. 20 Instrumente, so dass sie sich auch gut für größere Gruppen eignet, da für jedes Kind ein Instrument dabei ist. Sie beinhaltet darüber hinaus bereits eine Sammlung von Spielideen mit unterschiedlich hohem Anspruch an Veranstalter und Teilnehmer. Außerdem soll die Kiste durch die Anschaffung geeigneter Bücher und CDs in nächster Zeit vervollständigt werden. Ihr Standort ist die Bibliothek Neustadt.

Die Zweigbibliothek Pieschen beheimatet nun eine Puppenkiste, die eine große Auswahl von Handpuppen in allen Größen und Variationen enthält, von denen bei Bedarf auch einzelne in kleineren Themenkisten entliehen werden können. Zum Inventar gehören neben den klassischen Kasperpuppen vor allem Figuren aus Kinderbüchern. Zusätzlich sind bereits Bücher mit (Puppenspiel-)Stücken sowie eine Ideensammlung mit weiteren Anregungen vorhanden.

Der Standort der Zauberkiste ist die Bibliothek Blasewitz. Zum ihrem Inhalt zählen neben einer stimmungsvollen Stoffkulisse auch obligatorische Zauberutensilien wie Zauberstäbe, -hüte und -handschuhe sowie ein Umhang für den Veranstaltungsleiter. Neben drei vollständigen Veranstaltungskonzeptionen beinhaltet sie auch die Kopiervorlage für ein Zauberdiplom.

Alle Kisten sollen Vielfalt und Attraktivität der Veranstaltungen für Schul- und Vorschulkinder in den einzelnen Zweigbibliotheken erhöhen, den Vorbereitungsaufwand minimieren und den Spaß an der Arbeit mit Kindern fördern.

2. Lehrplanprojekt

Mit Inkrafttreten des neuen Lehrplans für Sachsen kommt auf die Deutschlehrer an den Gymnasien für das gerade begonnene Schuljahr noch mehr Arbeit als gewöhnlich zu, da die Liste der Lektüreempfehlungen vollständig neu überarbeitet wurde. Für die zumeist sehr aktuellen Kinder- und Jugendbücher liegen zum Großteil noch keine Unterrichtsmaterialien oder Interpretationshilfen vor. Aus diesem Grund erarbeiten wir derzeit für alle Bücher der Liste (ausgenommen die bereits bekannten klassischen Texte, sowie die Gattungen Dramatik und Lyrik) Materialien zur Buchvorstellung.

Mit unserem Lehrplanprojekt haben sich alle Bibliotheken auf die neue Literatur vorbereitet. Lehrer können in allen Bibliotheken des Stadtnetzes Veranstaltungen buchen, in denen ihnen (und ihren Klassen), die gewünschten Bücher präsentiert werden. Die Informationen umfassen sowohl eine Inhaltsangabe und eine Kurzbiographie des Autors, als auch Hinweise zur Form, zum Aufbau und zur Eignung des Textes. Darüber hinaus soll mit einigen markanten Textstellen bereits direkt in das jeweilige Buch eingestiegen werden, um Appetit auf mehr zu machen. Sofern für den entsprechenden Text vorhanden, wird auf einer Kopiervorlage eine Auswahl von Sekundärquellen (vor allem aus dem Internet) angeboten.

 

Ein Projekt geht zu Ende

Das Projekt Bibliothek & Schule - ursprünglich auf drei Jahre angelegt - ist abgeschlossen. Ergebnisse und Erfolg dieser Arbeit sind unübersehbar. Wichtige Kennziffern konnten im Projektzeitraum 2002 bis 2004 verbessert werden:
So stiegen die Ausleihen Kinderliteratur um 24%, der Schülererfassungsgrad auf 66% und die Zahl der Neuanmeldungen von Kindern trotz sinkender Schülerzahlen um 7%. Besonders positiv ist die Entwicklung bei Führungen und Veranstaltungen. Sie stiegen im Projektzeitraum um knapp 50 %!


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letzte Änderung: 22.02.2010