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https://www.bibo-dresden.de/de/aktuelles/2022/2022-01-13-Charta-Culture-for-future.php 21.03.2022 15:00:11 Uhr 29.09.2022 04:17:13 Uhr
Meldung vom 13.01.2022

Dresdner Kultureinrichtungen verständigen sich auf gemeinsame Nachhaltigkeitsziele

„Dresdner Charta für Nachhaltigkeit im Kultursektor“ ist ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

 

Zwölf Dresdner Kultureinrichtungen unterzeichnen am 13. Januar die „Dresdner Charta für Nachhaltigkeit im Kultursektor“ und bekennen sich damit klar zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit in ihren Häusern. Ziel ist, eine umfassende Nachhaltigkeitstransformation des Kultursektors beispielgebend in der Landeshauptstadt Dresden einzuleiten und notwendige strukturelle Anpassungen auf betrieblicher Ebene in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie vorzunehmen.

Die Pariser Klimaziele und die Agenda 2030 verdeutlichen die sozial-ökologische Krise unserer Zeit: Entgegen wissenschaftlichen Empfehlungen wachsen weltweit die Ressourcenverbräuche, werden Lebensräume zerstört, schwindet die Artenvielfalt und werden Treibhausgase in bedrohlichem Ausmaß emittiert. Zentral ist es deshalb umzulenken und eine Nachhaltigkeitstransformation einzuleiten. Nachhaltigkeit bedeutet dabei, ökologische und ökonomische Ressourcen zu schonen und zukunftsgerichtet und sozial gerecht zu nutzen. Politik und Verwaltung, Gesellschaft und Verbände, Unternehmen, und ebenso der Kultursektor sind hierbei gefragt. Bereits 2021 ist die Landeshauptstadt Dresden als eine der ersten Städte bundesweit dem neugegründeten „Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien“ für den Kultursektor beigetreten und hat ihren Prozess im Deutschen Städtetag und im Deutschen Bühnenverein vorgestellt.

Entwickelt wurde die Charta im Rahmen des Pilotprojekts „Culture for Future“, welches die Erstellung und Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in fünf Dresdner Kulturbetrieben begleitet hat. Für das Projekt wurden bewusst Kultureinrichtungen aus unterschiedlichen Genres ausgewählt, vom Orchester über Museum, Bibliothek, Theater bis hin zum Musikfestival. Individuell erarbeitete Maßnahmenkataloge und an die jeweilige Einrichtung angepassten Herangehensweisen bieten Orientierung für die eigene Nachhaltigkeitsstrategie weiterer Einrichtungen. Im Zentrum stand der partizipative Gedanke, die Kultureinrichtungen wurden vor allem dabei unterstützt, ihre Maßnahmen mit den Beschäftigten der Kulturbetriebe gemeinsam zu entwickeln.

Die daraus entstandenen einzelnen Fallstudien sowie der dazugehörige Praxisbericht stehen online zum Download bereit. Ein zusätzlicher Praxisleitfaden gibt praktische Hinweise, wie Nachhaltigkeit als Leitbild in der eigenen Kul­tureinrichtung verankert und durch einen Nachhaltigkeitsprozess vorangetrieben werden kann.

Initiiert wurde „Culture for Future“ durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden in einer Kooperation mit dem Umweltzentrum Dresden. Gefördert wurde der Prozess durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.   

„Kultureinrichtungen sind Resonanzräume für Diskurse und Seismograf des Wandels. Nachhaltige Entwicklung wird durch einen kulturellen Wandel erst möglich gemacht. Es ist insofern alternativlos, dass Kulturinstitutionen ihren Beitrag dazu leisten“, betont Annekatrin Klepsch, Zweite Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur und Tourismus. „Aufgrund ihrer künstlerisch-reflexiven Perspektive und ihrer Reichweite in der Gesellschaft ist die Kultur prädestiniert, die begonnene Transformation positiv zu begleiten. “

Mit dem Ziel einer umfassenden Nachhaltigkeitstransformation des Kultursektors verpflichten sich die Unterzeichnenden der Charta in den Aktionsfeldern „Beschaffung und Ressourcenmanagement“, „Mobilität“, „Gebäudetechnik und Energie“, „Mitarbeiterförderung und –zufriedenheit“ sowie „Kommunikation“ Standards der Nachhaltigkeit einzuhalten. 

Im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit, dem Bewahren von materiellem und immateriellem Kulturgut sowie ökologisch-sozialer Verantwortung suchen die unterzeichnenden Einrichtungen Wege für einen gewissenhaften Umgang mit künstlerischen, wissenschaftlichen und produktionsbedingt notwendigen Ressourcen. In der Charta verpflichten sie sich sowohl Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu ergreifen als auch zu vermitteln.

„Nachhaltigkeit ist der Schlüssel für unsere Zukunft. Damit dies kein leeres Statement bleibt, wollen wir Nachhaltigkeit bei der Dresdner Philharmonie und im Kulturpalast ganz konkret leben und mit Inhalten füllen. Als "grünes Konzerthaus" können wir in Dresden und weit darüber hinaus eine Vorreiterrolle einnehmen und dazu motivieren, bewusst und sorgsam mit unseren Ressourcen umzugehen. Das reicht von der Anfahrt zum Konzert mit dem ÖPNV über Konzertreisen per Bahn, die Solaranlage auf dem Dach bis hin zum papierfreien Büro. Ich bin überzeugt, dass unsere grüne Zukunft genau jetzt beginnt und wir mit innovativen Ideen, viel Kommunikation und vor allem im guten Miteinander vorangehen müssen“, erläutert Frauke Roth, Intendantin Dresdner Philharmonie sowie Erstunterzeichnerin der Charta. 

„Eine öffentliche Bibliothek ist nachhaltig per se: „Leihen statt kaufen“ leben wir in Dresden seit 1875. Bereits im Bibliotheksentwicklungsplan 2020 – 2025 bekannten sich die Städtischen Bibliotheken zu nachhaltigem Handeln und der aktiven Unterstützung der UN-Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung.  Neu integrierte nachhaltige Angebote wie die Bienen- und Saatgutbibliothek sowie die Bibliothek der Dinge zeigen den Wandel hin zu einer grünen Bibliothek. Der in der Zentralbibliothek erprobte Nachhaltigkeitsprozess „Culture for Future“ wird stetig, innovativ und zielstrebig in allen Bereichen der Städtischen Bibliotheken Dresden fortgeführt“, ergänzt Marit Kunis-Michel, Direktorin Städtische Bibliotheken Dresden und Erstunterzeichnerin der Charta.

„Mit „Culture for Future" und der Gründung einer AG Nachhaltigkeit in der Staatsoperette wurde ein notwendiger, intensiver Prozess angestoßen, der Mitarbeitenden abteilungs- und spartenübergreifend in wichtigen impulsgebenden Gesprächen und Diskussionen zusammenführt. Dieser Austausch bildet die Grundlage für zukunftsweisende Veränderungen und eine dauerhafte Implementierung von Nachhaltigkeitsprozessen im Haus, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich unter Umständen eine Diskrepanz zur Kunstfreiheit ergeben kann. Erst mit einem gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel werden nachhaltige Prozesse und deren Finanzierung zur neuen Normalität. Die gemeinsame Charta der Stadt Dresden ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, Kathrin Kondaurow, Intendantin Staatsoperette Dresden sowie Erstunterzeichnerin der Charta.

„Das Kunstgewerbemuseum ist mit dem Standort in Schloss Pillnitz, der klimabedingt nur halbjährig geöffnet werden kann, in einem Wettbewerbsnachteil um Sichtbarkeit und Öffentlichkeit. In der Klimabilanzierung hat sich diese aktionsfreie Zeit natürlich positiv auf den CO2-Fußabdruck ausgewirkt. Wenn es uns gelingt, aus diesem scheinbaren Nachteil Vorteile für eine nachhaltigere Konzeption und ein selbstbewusstes Verständnis für ein Weniger im Wachstum des Kulturbetriebs zu entwickeln, dann ist schon viel gelungen. Mit mehr Rücksicht auf personelle und materielle Ressourcen sind wir damit dem Ziel nach mehr Nachhaltigkeit ein wesentlicher Schritt weiter“, Thomas Geisler, Direktor Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Erstunterzeichner der Charta.

„Nachhaltigkeit ist für das Team der Dresdner Musikfestspiele ein Thema, dass allen sehr am Herzen liegt. Musik und Natur inspirieren uns Menschen gleichermaßen. Wir freuen uns mit der vorliegenden Charta einen Prozess zu beginnen, der die Pflege der Kultur und der Umwelt als eine gemeinsame dynamische Aufgabe vereint“, ergänzt Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele und Erstunterzeichner der Charta.

Mit dem Bekenntnis zur Charta verbindet sich auch gleichzeitig der Aufruf an alle Kulturinstitutionen und Akteure im Kunst- und Kulturbereich, sich der Charta anzuschließen und eigene Nachhaltigkeitsanstrengungen zu unternehmen.

 

Erstunterzeichner

Am Projekt beteiligte Kultureinrichtungen: Dresdner Musikfestspiele, Dresdner Philharmonie, Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Staatsoperette Dresden, Zentralbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden


Weitere Kultureinrichtungen: Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Eigenbetrieb Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Museen der Stadt Dresden, Societaetstheater Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, tjg. theater junge generation , Verkehrsmuseum Dresden

 

Nach der Erstunterzeichnung der Charta wird das Kulturamt im Rahmen von „Culture Connect“ den Erfahrungsaustausch zu Strategien der Nachhaltigkeit für Kulturbetriebe in Dresden fortsetzen, um in weiteren Schritten auch die Freie Szene und Träger nichtkommunaler Kultureinrichtungen einzubeziehen.


Weitere Informationen zur Charta und zu Culture for Future: Culture for Future | Landeshauptstadt Dresden

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