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Landeshauptstadt Dresden - bibo.dresden.de https://www.bibo-dresden.de/de/aktuelles/veranstaltungen/202610_Banned-Books-Week_SBD.php 28.09.2026 08:43:08 Uhr 01.10.2026 06:33:32 Uhr |
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Banned Books Week
Für die Freiheit zu lesen
Bücher eröffnen neue Perspektiven, machen andere Lebenswelten erfahrbar und fördern die eigene Meinungsbildung. Die internationale Banned Books Week vom 4. bis 10. Oktober 2026 macht darauf aufmerksam, dass der freie Zugang zu Literatur und Wissen nicht überall selbstverständlich ist. Das diesjährige Motto lautet: "Let Books Be. Protect the Freedom to Read".
Die wurde 1982 in den USA durch die Bibliothekarin Judith F. Krug ins Leben gerufen, die damals das Office for Intellectual Freedom der American Library Association leitete. Der Anlass war ein starker Anstieg von Versuchen, Bücher aufgrund ihrer politischen, gesellschaftlichen oder religiösen Inhalte aus Bibliotheken, Schulen und Buchhandlungen entfernen zu lassen.
Let Books Be
Die Banned Books Week wurde 1982 in den USA durch die Bibliothekarin Judith F. Krug ins Leben gerufen, die damals das Office for Intellectual Freedom der American Library Association leitete. Der Anlass war ein starker Anstieg von Versuchen, Bücher aufgrund ihrer politischen, gesellschaftlichen oder religiösen Inhalte aus Bibliotheken, Schulen und Buchhandlungen entfernen zu lassen.
Seit 1933 wurden in Deutschland 3.644 Bücher verboten oder angefochten. Die Verbote wurden politisch mit rassistischen Inhalten oder moralischen Vorstellungen begründet.
Den dunkelsten Abschnitt der Bücherzensur in Deutschland markierte das nationalsozialistische Regime. Ab 1933 wurden in Deutschland 3.644 Bücher verboten oder angefochten. Die Verbote wurden politisch mit rassistischen Inhalten oder moralischen Vorstellungen begründet.
Am 10. Mai 1933 fanden in Berlin und zahlreichen weiteren Städten öffentliche Bücherverbrennungen statt. Dabei wurden mindestens 25.000 Bücher vernichtet – allein in Berlin entsprach dies etwa einem Drittel der damaligen Bibliotheksbestände.
Veranstaltungen in den Städtischen Bibliotheken
Die Banned Books Week wird am 5. Oktober in der Zentralbibliothek im Kulturpalast eröffnet. Filmvorführungen, Medientipps und thematisch gestaltete Ausstellungsregale laden dazu ein, sich mit verbotenen und angefochtenen Büchern sowie der Bedeutung der Lese- und Meinungsfreiheit auseinanderzusetzen.
Veranstaltungen in den Städtischen Bibliotheken
Medientipps
Wir haben für Sie eine Auswahl an Büchern aus unterschiedlichen Themenbereichen zusammengestellt, die zum Entdecken, Nachdenken und Diskutieren einladen. Ob Roman, Sachbuch oder Jugendbuch – entdecken Sie Bücher, die zum Lesen anregen und neue Blickwinkel ermöglichen.
Kinderbücher
Maurice Sendak: Wo die wilden Kerle wohnen
Max tobt im Wolfskostüm durchs Haus und wird von seiner Mutter ohne Abendessen ins Bett geschickt. Dort verwandelt sich sein Zimmer in eine geheimnisvolle Dschungellandschaft. Auf einer Insel trifft Max die "wilden Kerle", wird zu ihrem König und erlebt wilde Abenteuer.
"Wo die wilden Kerle wohnen" wurde wiederholt wegen seiner wilden, düsteren und rebellischen Inhalte kritisiert und aus Kinderbuchbeständen entfernt. Heute gilt es als Klassiker der Kinderliteratur – und als Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Frage bewertet werden kann, was Kinder lesen dürfen.
Matthew A. Cherry: Hair Love
Eines Morgens wacht Zuri auf und weiß: heute ist ein besonderer Tag, da müssen die Harre natürlich sitzen. Ob Papa es schafft, die perfekte Frisur zu gestalten. Die Geschichte handelt von Familie, Selbstvertrauen und der Wertschätzung von schwarzem Haar. Das Bilderbuch wurde wegen seiner Darstellung von Rassismus und Diversität in einzelnen Zusammenhängen angefochten und steht damit für die Frage, welche Geschichten Kindern zugänglich sein sollen.
Matthew A. Cherry’s animierter Kurzfilm "Hair Love" gewann 2020 den Oscar.
Jugendliteratur und Graphic Novel
George M. Johnson: All Boys aren't Blue
In Essays, Erinnerungen und journalistischen Ausschnitten verarbeitet George M. Johnson seine Kindheit und Jugend als Schwarzer queerer Junge – mit allen Facetten zwischen Mobbing und Freundschaft, Trauer und Freude, Marginalisierung und Empowerment. Uns alle beschäftigen Familie, soziale Strukturen, Liebe, Träume, und die Frage, wer wir eigentlich sind und sein wollen, beim Erwachsenwerden. Was Johnsons Memoiren so heraushebt, ist ihr Fokus auf Black Joy – die Freuden und positiven Seiten, eine queere Person of color zu sein.
Toni Morrison: Sehr blaue Augen
"Wie geht das denn? Also, wie krieg ich jemanden dazu, mich zu lieben?" Das fragt sich Pecola, die 12-jährige Protagonistin. Durch ihr vorwiegend weißes Umfeld erfährt sie als schwarzes Mädchen viel Ablehnung und Missachtung. Sie wünscht sich sehnlichst blaue Augen, um endlich als gleichwertig akzeptiert zu werden. In ihrem dramatischen Debütroman thematisiert Toni Morrison den Rassismus der 30er und 40er Jahre in den USA.
1993 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. 2012 zeichnete Barack Obama sie mit der Presidential Medal of Freedom aus. 2026 steht dieses Buch auf der Liste Banned Books.
F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby: A Graphic Novel (Graphic Classics)
Warum kann er sie einfach nicht vergessen? Jede noch so wilde glamouröse Party tröstet Jay nicht über den Verlust seiner geliebten Daisy hinweg. Er selbst bleibt der feiernden High Society gern ein Rätsel, während sich sein persönliches Drama unaufhaltsam vor der Kulisse der "Roaring Twenties" in den USA abspielt.
Der Roman "The Great Gatsby" wurde unter anderem wegen seiner Sprache und sexuellen Inhalte angefochten. 1987 wurde der Roman am Baptist College in Charleston, South Carolina, beanstandet. Auch später gab es Versuche, ihn aus dem Unterricht zu entfernen.
Belletristik
Alice Walker: Die Farbe Lila
"Die Farbe Lila“ von Alice Walker erzählt in Briefen von Gewalt, Unterdrückung und Rassismus, aber auch von Mut, Freundschaft, Hoffnung und Selbstbestimmung. Im Mittelpunkt stehen Frauen, die sich gegen gesellschaftliche und persönliche Unterdrückung behaupten und ihren eigenen Weg finden. Der Roman wurde vielfach wegen seiner Darstellung von Gewalt, Sexualität und Sprache angefochten und gehört damit zu den bekannten Titeln der Banned Books Week.
Lois Lowry: Hüter der Erinnerung
"Hüter der Erinnerung" bezeichnet einen ganz besonderen Beruf in einer dystopischen Gesellschaftsstruktur. Individualität, Menschlichkeit und Freiheit sind den Menschen dort fremd. Nahezu alles wird von den Regeln der Gemeinschaft bestimmt: Als dem 12-Jährigen Jonas bei der Berufsvergabe die Ehre zuteilwird, als neuer Hüter auserwählt zu werden, ahnt er nicht, dass dies ein entscheidender Wendepunkt in seinem Leben und für seine Gemeinschaft bedeuten wird. Er erkennt, welchen Preis die Menschen für das geregelte Leben zahlen.
Der Roman wurde 1994 mit der Newbery Medal ausgezeichnet und im Jahr 2014 unter dem Titel "The Giver" verfilmt. Seit 2022 zählt der Titel zu den Banned Books in den USA und diesem Umstand wohnt eine gewisse Ironie inne, da in dem Buch selbst vor der Zensur gewarnt wird.
Keith Richards, James Fox: Life
Es sei "das beste Buch, über den Rock’n’Roll", das je geschrieben wurde, so titelte die Zeitschrift Stern über Keith Richards‘ 2010 gemeinsam mit dem Journalisten James Fox veröffentlichte Autobiografie "Life". Richards erzählt darin von seinem Leben, seiner Musik und der Entstehung zahlreicher Songs – aber auch ausführlich von Alkohol- und Drogenkonsum. Wegen dieser Schilderungen wurde das Buch 2024 in Schulen im US-Bundesstaat Florida aus den Bibliotheken entfernt.
Jeremy Scahill: Schmutzige Kriege: Amerikas geheime Kommandoaktionen
Gekämpft wird überall.Nur mitbekommen soll es niemand. Diese packende investigative Reportage nimmt uns mit auf eine Reise in die unterschiedlichsten Länder: Afghanistan, Pakistan, Jemen, Somalia und viele Andere. Überall dort hat der Autor Menschen getroffen, die auf ganz unterschiedliche Weise verstrickt sind in die geheimen Kriege der USA. Sei es als CIA-Agent, Söldner oder ziviles Opfer.
eBibo: eBooks und Filmkollektionen
Auch digital lädt die eBibo dazu ein, die Vielfalt der Literatur zu entdecken. Zur Banned Books Week versammelt die eBibo digitale Kollektion über Zensur und ihre Gegner. Den Film "The Librarians", erst kürzlich mit einem Emmy ausgezeichnet, finden Sie bei filmfriend, weitere Kollektionen für zu Hause und unterwegs – kostenfrei mit Ihrer Bibliothekskarte - bietet die Onleihe:
- Filmtipp: The Librarians - filmfriend
- Onleihe: Banned-Books-Kollektion
Warum stehen diese Bücher im Banned-Books-Regal?
Die folgende Auswahl zeigt Beispiele deutscher Bücher, Autor*innen und Titel, die nicht vollständig verboten sind – viele wurden jedoch öffentlich diskutiert, beanstandet oder aus einzelnen Bibliotheken und Schulen entfernt. Gerade diese Auseinandersetzungen zeigen, wie wichtig der freie Zugang zu Literatur und die Möglichkeit sind, sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen.
Quellen: PEN America – Index of School Book Bans, American Library Association – Most Challenged Books Lists, American Library Association (ALA) – Office for Intellectual Freedom: Banned & Challenged Books
Historische Fälle
| Titel | Autor*in | Historischer Kontext |
|---|---|---|
| Im Westen nichts Neues | Erich Maria Remarque | 1933 von den Nationalsozialisten verboten und bei den Bücherverbrennungen öffentlich verbrannt. Der Roman wurde wegen seiner pazifistischen Haltung und seiner kritischen Darstellung des Ersten Weltkriegs angegriffen. |
| Das Tagebuch der Anne Frank | Anne Frank | Historischer Bezug durch die NS-Verfolgung und den Holocaust. Heute vor allem im Zusammenhang mit aktuellen Anfechtungen in den USA relevant. |
| Farm der Tiere | George Orwell | Nach Erscheinen 1945 politisch umstritten; in verschiedenen Ländern wegen seiner Kritik an totalitären Systemen eingeschränkt oder kritisch betrachtet. |
| 1984 | George Orwell | Seit der Veröffentlichung 1949 immer wieder wegen politischer Aussagen und der Darstellung staatlicher Kontrolle angefochten. |
| Huckleberry Finns Abenteuer | Mark Twain | Seit dem späten 19. Jahrhundert immer wieder kritisiert und aus Bibliotheken oder Unterrichtskontexten entfernt, vor allem wegen rassistischer Sprache und ihrer historischen Einordnung. |
| Der große Gatsby | F. Scott Fitzgerald | Seit der Veröffentlichung 1925 immer wieder wegen Themen wie Sexualität, Alkohol und gesellschaftlicher Moral kritisiert. |
| Wer die Nachtigall stört … | Harper Lee | Seit der Veröffentlichung 1960 wiederholt angefochten, insbesondere wegen der Darstellung von Rassismus und rassistischer Sprache. |
Moderne bzw. aktuelle Beispiele aus der US-Banned-Books-Debatte
| Titel | Autor*in | Kontext |
|---|---|---|
| Maus – Die Geschichte eines Überlebenden | Art Spiegelman | Seit 2022 besonders bekannt durch die Entfernung aus einer Schulbibliothek in Tennessee; diskutiert wurden unter anderem Gewaltdarstellungen und einzelne Begriffe. |
| Der Report der Magd | Margaret Atwood | Seit den 1980er-Jahren immer wieder angefochten, aktuell wegen Themen wie Sexualität, Religion und Machtstrukturen. |
| Harry Potter und der Stein der Weisen | J. K. Rowling | Vor allem seit Ende der 1990er-Jahre in einzelnen Schulen und religiösen Gemeinschaften kritisiert. |
| Tote Mädchen lügen nicht | Jay Asher | Modernes Beispiel für Debatten um Jugendbücher; kritisiert wegen der Darstellung von Suizid und psychischer Belastung. |
| „Die Farbe Lila“ | Alice Walker | Wiederholt angefochten wegen Sexualität, Gewalt und Sprache. |
| Am Ende sterben wir sowieso | Adam Silvera | Beispiel für aktuelle Debatten um LGBTQ+-Themen in Jugendbüchern. |
| Gender Queer: A Memoir | Maia Kobabe | Eines der am häufigsten angefochtenen Bücher in den USA der letzten Jahre; Schwerpunkt der Kritik sind LGBTQ+-Inhalte und sexuelle Bildung. |